Alltagsmythen, falsche Fakten und Verschwörungstheorien

“Mach’ das Licht aus, sonst kommen hier die ganzen Mücken rein!“
Diesen Satz hat bestimmt jeder schon einmal gehört. Aber hilft Dunkel­heit wirklich gegen die fiesen, blut­saugenden Insekten? Beein­flusst der Vollmond deinen Schlaf? Und was passiert eigent­lich, wenn du dich Impfen lässt? Diesen und weiteren Fragen gehen wir in diesem Artikel auf den Grund.

Stufe 1: Alltagsmythen

Viel­leicht hast du es bereits geahnt, viel­leicht über­rascht es dich voll­kommen: Mücken werden nicht vom Licht angezogen.

Doch warum hält sich dieser falsche Fakt so hart­nä­ckig?

Betrachtet man nachts im Freien eine leuch­tende Lampe, fallen einem sicher sofort die vielen dunklen Insekten auf, die um das Licht herum­schwirren oder sich sogar scheinbar lebens­müde in die oftmals heiße Licht­quelle hinein­stürzen. Eine passende Erklärung dafür bietet der Licht­rü­cken­re­flex, wissen­schaft­lich auch Positive Photo­taxis genannt, den einige Insek­ten­arten nutzen: Durch diesen richten die Insekten ihren Rücken entgegen der hellsten Stelle in ihrem Umfeld. Das ist norma­ler­weise der Nacht­himmel, was das hori­zontal gerade Fliegen der Insekten zur Folge hat. Nicht nur Insekten, sondern auch Fisch- und Amphi­bi­en­arten nutzen diesen Reflex.
Sobald sich aller­dings eine punkt­för­mige Licht­quelle in der Nähe befindet, führt er zu Problemen. Die Insekten kreisen bis zur Erschöp­fung um die helle Stelle.

Tatsäch­lich ist es aber nicht der Licht­rü­cken­re­flex, der die Mücken nachts zu ihren warm­blü­tigen Opfern führt, denn sie sehen nur sehr schlecht. Vielmehr orien­tieren sie sich mit Hilfe von Gerüchen wie Schweiß und Parfüm, sowie einer besonders ausge­klü­gelten Taktik: Mücken sind in der Lage, den Kohlen­stoff­di­oxid­ge­halt der Luft zu prüfen und diesem zu ihrem nächsten Opfer zu folgen. Im Kopf­be­reich, wo dieser schließ­lich am höchsten konzen­triert ist, trifft man sie also besonders häufig.

Dennoch ist es wohl besser, das Licht bei abends geöff­netem Fenster auszu­ma­chen, denn Nacht­in­sekten wie Motten und Falter werden durchaus vom Licht angezogen und sind im erleuch­teten Zimmer nicht gut aufge­hoben.

Stufe 2: Volksglauben

Ob die nächt­liche Schlaf­qua­lität oder die beste Zeit zum Blumen­pflanzen: Im Volks­glauben wird dem Mond und seinen Phasen eine außer­or­dent­liche Bedeutung zuge­spro­chen. Vollmond beispiels­weise führe bei vielen Menschen zu Schlaf­stö­rungen.

Was ist wirklich dran an dem Einfluss des Erdtra­banten auf den Schlaf?

Aktuelle Studien mit großen Daten­sätzen finden keinen Zusam­men­hang zwischen den Mond­phasen und der Schlaf­qua­lität. Unter anderem Forscher des Max-Planck-Instituts unter­suchten dieses Phänomen in einer weit­grei­fenden Studie. In kontrol­lierter Umgebung und mithilfe von objek­tiven Methoden, wie dem Schlaf-EEG testeten sie den Einfluss der Mond­phasen mit den Daten von 1.265 Probanden aus 2.097 Nächten. Dabei wurden keine Zusam­men­hänge gefunden, die die verbrei­teten Annahmen von Schlaf­pro­blemen bei Vollmond und den Einfluss der Mond­phasen auf die Schlaf­qua­lität unter­stützen.

Das Gefühl einiger Menschen, bei Vollmond schlechter zu schlafen, ist also höchst­wahr­schein­lich eher auf psycho­lo­gi­sche Phänomene wie sich selbst­er­fül­lende Prophe­zei­ungen zurück­zu­führen.

Stufe 3: Verschwörungstheorien

Leider haben sich nicht nur vergleichs­weise harmlose Unwahr­heiten, sondern auch ernst­hafte Verschwö­rungs­ideo­lo­gien in den Köpfen vieler Menschen fest­ge­setzt. Während das Licht­aus­ma­chen gegen Mücken vermut­lich noch nie jemandem geschadet hat, sterben täglich Menschen an Krank­heiten, die sie mit einer Impfung vermut­lich überlebt hätten. Allein die schnell entwi­ckelten Impf­stoffe gegen das Coro­na­virus SARS-CoV‑2 haben bis Oktober 2024 weltweit ungefähr 2,5 Millionen Menschen­leben gerettet, wobei die Schät­zungen je nach Berech­nungs­me­thode teilweise noch deutlich höher liegen.

Trotzdem wächst in Deutsch­land die Impf­skepsis. Laut aktuellen Umfragen haben in Deutsch­land ein Viertel der Menschen wenig Vertrauen in die Impf­stoffe, ein seit einigen Jahren stetig stei­gender Wert. Das liegt unter anderem an der weit verbrei­teten Vorstel­lung, bei einer Impfung würden aktive Krank­heits­er­reger in den Körper gesetzt. Aber nicht nur das: einige Menschen glauben sogar, bei einer Impfung setze die Regierung Mikro­chips zur Kontrolle und Über­wa­chung unter die Haut. Dafür gibt es aller­dings keinerlei wissen­schaft­liche Grund­lagen.

Aber was passiert wirklich bei einer Impfung?

Wenn es ein Erreger schafft, durch die äußeren Schutz­bar­rieren des Körpers, wie die Tränen­flüs­sig­keit oder die Schleim­häute, zu gelangen, reagieren die inneren Schutz­me­cha­nismen. Dafür gibt es spezielle Zellen, die den Erreger erkennen und je nach dessen Art besondere Abwehr­zellen und ‑stoffe bilden. Dieses Bilden spezi­fi­scher Zellen und Stoffe dauert aller­dings einige Tage bis Wochen, was dem Erreger Zeit gibt, sich im Körper auszu­breiten und Schaden anzu­richten.
Um diese Zeit zu verrin­gern, verfügt das Immun­system über eine Art Gedächtnis, in dem Infor­ma­tionen zu den bereits begeg­neten Erregern aufbe­wahrt werden. Bei erneuter Begegnung werden diese dann schneller erkannt und können bekämpft werden.

Das Impfen macht sich diese Funktion zunutze. Impf­stoffe enthalten entweder abge­schwächte Erreger, harmlose Bestand­teile davon oder, wie bei mRNA-Impf­stoffen, nur die Bauan­lei­tung für ein einzelnes Virus­merkmal, die dann vom Körper bekämpft und kate­go­ri­siert wird, ohne Schaden anzu­richten.
Der Körper ist daraufhin immun gegen diesen Erreger, weswegen man auch von einer Immu­ni­sie­rung spricht.

Impfungen sind nach aktuellem, wissen­schaft­li­chem Stand also sehr sicher und gehören zu den wirk­samsten Maßnahmen der modernen Medizin gegen schäd­liche Krank­heits­er­reger.

Wir sind täglich vielen Falsch­in­for­ma­tionen ausge­setzt; in den sozialen Medien, aber auch zu Hause. Doch während falsche Annahmen über Mücken höchstens zu ein paar Stichen mehr führen, kosten Verschwö­rungs­theo­rien rund um lebens­wich­tige Themen, wie das Impfen, Leben. Das Über­prüfen von Fakten ist also nie verkehrt und kann uns vor realen Gefahren schützen.

Quellen

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