- Die verbreitetsten Unwahrheiten des 21. Jahrhunderts -

Eine mit ChatGPT erstellte Darstellung der bekanntesten Mythen unserer Zeit.
“Mach’ das Licht aus, sonst kommen hier die ganzen Mücken rein!“
Diesen Satz hat bestimmt jeder schon einmal gehört. Aber hilft Dunkelheit wirklich gegen die fiesen, blutsaugenden Insekten? Beeinflusst der Vollmond deinen Schlaf? Und was passiert eigentlich, wenn du dich Impfen lässt? Diesen und weiteren Fragen gehen wir in diesem Artikel auf den Grund.
Stufe 1: Alltagsmythen
Vielleicht hast du es bereits geahnt, vielleicht überrascht es dich vollkommen: Mücken werden nicht vom Licht angezogen.
Doch warum hält sich dieser falsche Fakt so hartnäckig?
Betrachtet man nachts im Freien eine leuchtende Lampe, fallen einem sicher sofort die vielen dunklen Insekten auf, die um das Licht herumschwirren oder sich sogar scheinbar lebensmüde in die oftmals heiße Lichtquelle hineinstürzen. Eine passende Erklärung dafür bietet der Lichtrückenreflex, wissenschaftlich auch Positive Phototaxis genannt, den einige Insektenarten nutzen: Durch diesen richten die Insekten ihren Rücken entgegen der hellsten Stelle in ihrem Umfeld. Das ist normalerweise der Nachthimmel, was das horizontal gerade Fliegen der Insekten zur Folge hat. Nicht nur Insekten, sondern auch Fisch- und Amphibienarten nutzen diesen Reflex.
Sobald sich allerdings eine punktförmige Lichtquelle in der Nähe befindet, führt er zu Problemen. Die Insekten kreisen bis zur Erschöpfung um die helle Stelle.
Tatsächlich ist es aber nicht der Lichtrückenreflex, der die Mücken nachts zu ihren warmblütigen Opfern führt, denn sie sehen nur sehr schlecht. Vielmehr orientieren sie sich mit Hilfe von Gerüchen wie Schweiß und Parfüm, sowie einer besonders ausgeklügelten Taktik: Mücken sind in der Lage, den Kohlenstoffdioxidgehalt der Luft zu prüfen und diesem zu ihrem nächsten Opfer zu folgen. Im Kopfbereich, wo dieser schließlich am höchsten konzentriert ist, trifft man sie also besonders häufig.
Dennoch ist es wohl besser, das Licht bei abends geöffnetem Fenster auszumachen, denn Nachtinsekten wie Motten und Falter werden durchaus vom Licht angezogen und sind im erleuchteten Zimmer nicht gut aufgehoben.
Stufe 2: Volksglauben
Ob die nächtliche Schlafqualität oder die beste Zeit zum Blumenpflanzen: Im Volksglauben wird dem Mond und seinen Phasen eine außerordentliche Bedeutung zugesprochen. Vollmond beispielsweise führe bei vielen Menschen zu Schlafstörungen.
Was ist wirklich dran an dem Einfluss des Erdtrabanten auf den Schlaf?
Aktuelle Studien mit großen Datensätzen finden keinen Zusammenhang zwischen den Mondphasen und der Schlafqualität. Unter anderem Forscher des Max-Planck-Instituts untersuchten dieses Phänomen in einer weitgreifenden Studie. In kontrollierter Umgebung und mithilfe von objektiven Methoden, wie dem Schlaf-EEG testeten sie den Einfluss der Mondphasen mit den Daten von 1.265 Probanden aus 2.097 Nächten. Dabei wurden keine Zusammenhänge gefunden, die die verbreiteten Annahmen von Schlafproblemen bei Vollmond und den Einfluss der Mondphasen auf die Schlafqualität unterstützen.
Das Gefühl einiger Menschen, bei Vollmond schlechter zu schlafen, ist also höchstwahrscheinlich eher auf psychologische Phänomene wie sich selbsterfüllende Prophezeiungen zurückzuführen.
Stufe 3: Verschwörungstheorien
Leider haben sich nicht nur vergleichsweise harmlose Unwahrheiten, sondern auch ernsthafte Verschwörungsideologien in den Köpfen vieler Menschen festgesetzt. Während das Lichtausmachen gegen Mücken vermutlich noch nie jemandem geschadet hat, sterben täglich Menschen an Krankheiten, die sie mit einer Impfung vermutlich überlebt hätten. Allein die schnell entwickelten Impfstoffe gegen das Coronavirus SARS-CoV‑2 haben bis Oktober 2024 weltweit ungefähr 2,5 Millionen Menschenleben gerettet, wobei die Schätzungen je nach Berechnungsmethode teilweise noch deutlich höher liegen.
Trotzdem wächst in Deutschland die Impfskepsis. Laut aktuellen Umfragen haben in Deutschland ein Viertel der Menschen wenig Vertrauen in die Impfstoffe, ein seit einigen Jahren stetig steigender Wert. Das liegt unter anderem an der weit verbreiteten Vorstellung, bei einer Impfung würden aktive Krankheitserreger in den Körper gesetzt. Aber nicht nur das: einige Menschen glauben sogar, bei einer Impfung setze die Regierung Mikrochips zur Kontrolle und Überwachung unter die Haut. Dafür gibt es allerdings keinerlei wissenschaftliche Grundlagen.
Aber was passiert wirklich bei einer Impfung?
Wenn es ein Erreger schafft, durch die äußeren Schutzbarrieren des Körpers, wie die Tränenflüssigkeit oder die Schleimhäute, zu gelangen, reagieren die inneren Schutzmechanismen. Dafür gibt es spezielle Zellen, die den Erreger erkennen und je nach dessen Art besondere Abwehrzellen und ‑stoffe bilden. Dieses Bilden spezifischer Zellen und Stoffe dauert allerdings einige Tage bis Wochen, was dem Erreger Zeit gibt, sich im Körper auszubreiten und Schaden anzurichten.
Um diese Zeit zu verringern, verfügt das Immunsystem über eine Art Gedächtnis, in dem Informationen zu den bereits begegneten Erregern aufbewahrt werden. Bei erneuter Begegnung werden diese dann schneller erkannt und können bekämpft werden.
Das Impfen macht sich diese Funktion zunutze. Impfstoffe enthalten entweder abgeschwächte Erreger, harmlose Bestandteile davon oder, wie bei mRNA-Impfstoffen, nur die Bauanleitung für ein einzelnes Virusmerkmal, die dann vom Körper bekämpft und kategorisiert wird, ohne Schaden anzurichten.
Der Körper ist daraufhin immun gegen diesen Erreger, weswegen man auch von einer Immunisierung spricht.
Impfungen sind nach aktuellem, wissenschaftlichem Stand also sehr sicher und gehören zu den wirksamsten Maßnahmen der modernen Medizin gegen schädliche Krankheitserreger.
Wir sind täglich vielen Falschinformationen ausgesetzt; in den sozialen Medien, aber auch zu Hause. Doch während falsche Annahmen über Mücken höchstens zu ein paar Stichen mehr führen, kosten Verschwörungstheorien rund um lebenswichtige Themen, wie das Impfen, Leben. Das Überprüfen von Fakten ist also nie verkehrt und kann uns vor realen Gefahren schützen.
von Ronja Kemler
Quellen
- https://www.spektrum.de/news/warum-werden-insekten-von-licht-angezogen/2205885
- https://www.nature.com/articles/s41467-024–44785‑3
- https://www.geo.de/natur/tierwelt/licht-zieht-muecken-an_30125140-30166480.html
- https://www.mpg.de/8271794/beeinflusst-der-mond-unseren-schlaf
- https://www.aerzteblatt.de/news/covid-19-impfungen-haben-25-millionen-todesfalle-verhindert-13c5c3ce-49f9-4437–8f60-f539b51192f2
- https://de.statista.com/infografik/33492/anteil-der-befragten-die-wenig-vertrauen-in-impfungen-haben/
- https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/impfungen/impfen